Tierschutz im Pferdesport: was können Sie rechtlich tun?

Wer vermutet, dass ein Pferd misshandelt oder vernachlässigt wird, hat mehr Möglichkeiten als nur eine Meldung. Ein Überblick.

SportPferderecht

Verfasst von

Porträt von Mr. Dr. Paul Bavelaar LL.M

Mr. Dr. Paul Bavelaar LL.M

Advocaat & Rechtsanwalt

Stallgasse mit hölzernen Pferdeboxen in einem Pensionsstall

Der Pferdesport ist eine wunderbare Disziplin, doch das Wohl des Pferdes steht nicht überall an erster Stelle. Wer Vernachlässigung, Misshandlung oder Missstände im Training vermutet, fragt sich oft, was er dagegen unternehmen kann. Es gibt verschiedene Wege, jeder mit eigenem Ziel und eigenen Regeln.

Der gesetzliche Rahmen

In den Niederlanden regelt das Tiergesetz (Wet dieren) den Schutz von Tieren. Verboten ist unter anderem, einem Tier ohne vernünftigen Grund oder über das zulässige Maß hinaus Schmerzen oder Verletzungen zuzufügen oder seine Gesundheit oder sein Wohlbefinden zu beeinträchtigen. Auch die Sorgfaltspflicht gegenüber dem Tier ist gesetzlich verankert. Verstöße können zu verwaltungsrechtlichen Maßnahmen und zur Strafverfolgung führen. In Deutschland besteht mit dem Tierschutzgesetz ein vergleichbarer Rahmen.

Meldung bei der Aufsichtsbehörde

Wer einen Missstand vermutet, kann ihn den für den Tierschutz zuständigen Stellen melden, in den Niederlanden etwa über die landesweite Notrufnummer 144 (Red een Dier), in Deutschland beim zuständigen Veterinäramt. Eine Meldung ist niedrigschwellig, der Meldende hat jedoch keinen Einfluss darauf, was danach geschieht. Eine gut belegte Meldung mit Daten, Fotos und einer Beschreibung des Beobachteten hat mehr Wirkung.

Die Sportgerichtsbarkeit

Geht es um einen Missstand im organisierten Sport, kann auch die Verbandsgerichtsbarkeit angerufen werden. Der niederländische Reitsportverband KNHS, die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) und der Weltverband FEI haben Regeln zum Wohl des Pferdes in Turnier und Training sowie zu Doping und Medikation. Eine Beschwerde kann zu Sanktionen gegen den Reiter oder die verantwortliche Person führen. Die Verbandsgerichtsbarkeit hat eigene Verfahren und Fristen.

Zivilrechtliche Möglichkeiten

Sind Sie Eigentümer eines Pferdes, das bei einem anderen in Pflege oder im Training steht, können Sie Ihr Pferd zurückholen und den Betreuer auf die Einhaltung der Vereinbarungen in Anspruch nehmen. Wurde Ihr Pferd geschädigt, können Sie Schadensersatz verlangen. In dringenden Fällen kann ein Eilverfahren helfen, etwa um die Herausgabe eines Pferdes durchzusetzen.

Was macht einen Fall stark?

Ob Sie sich für eine Meldung, eine Verbandsbeschwerde oder ein Zivilverfahren entscheiden: Die Dokumentation ist entscheidend. Notieren Sie Daten und Uhrzeiten, machen Sie Fotos oder Videos, soweit das rechtlich zulässig ist, bewahren Sie Nachrichten auf und bitten Sie einen Tierarzt, seine Befunde festzuhalten. Je konkreter das Bild, desto größer die Chance, dass sich für das Pferd tatsächlich etwas ändert.

Die andere Seite

Der Vorwurf der Tierquälerei hat erhebliche Folgen für den Ruf eines Reiters, Stalls oder Händlers. Auch wer zu Unrecht beschuldigt wird, hat Rechte. Wir vertreten sowohl Meldende und Eigentümer als auch Reiter und Ställe, die mit einem Vorwurf oder einem Verbandsverfahren konfrontiert sind.

Unser Hintergrund

Unsere Spezialisten sind selbst im Pferdesport aktiv und haben Vorstandsämter im Pferdesektor bekleidet, unter anderem bei der niederländischen Stiftung für sicheren Pferdesport (Stichting Veilige Paardensport). Sie kennen den Sport und seine Organisationen von innen, in den Niederlanden und in Deutschland.

Dieser Beitrag enthält allgemeine Informationen und stellt keine Rechtsberatung dar. Gesetze und Rechtsprechung können sich ändern, und das Ergebnis hängt stets von den Umständen Ihres Einzelfalls ab. Für eine Beratung zu Ihrem Anliegen können Sie gern Kontakt mit uns aufnehmen.